
Sonnenschutz | Fassade folgt der Sonne
Glaslamellenfassade bei Nycomed in Konstanz
Mehr als 680 bewegliche Shadoglass-Lamellen umschließen das Nycomed-Gebäude in Konstanz. Die automatische Steuerung richtet die zweite Gebäudehülle nach Sonnenstand, Temperatur und Wetter aus und verbindet Verschattung, Blendschutz und Tageslichtnutzung.
Außenliegender Sonnenschutz für vier Gebäudeseiten
Das neue Firmengebäude der Nycomed GmbH in Konstanz wurde als freistehender Büro- und Forschungskomplex mit einer Grundfläche von rund 60 mal 60 Metern errichtet. In dem Gebäude befinden sich mehr als 500 Büros, Konferenzbereiche und ein Restaurant. Der Bruttorauminhalt beträgt nach den Projektangaben rund 90.000 Kubikmeter.
Petzinka Pink Architekten entwickelten für den kompakten, gläsernen Baukörper eine bewegliche zweite Gebäudehülle. Sie sollte den Einfluss von Sonne, Temperatur und Witterung aktiv in den Gebäudebetrieb einbeziehen. Gefordert waren außenliegender Sonnenschutz, Blendschutz, Lichtlenkung und eine Reduzierung der solaren Wärmeeinträge.
Colt realisierte dafür eine vollständig umlaufende Shadoglass-Fassade. Mehr als 680 vertikale Glaslamellen umschließen alle vier Gebäudeseiten über vier Geschosse. Ihre Stellung wird automatisch an den aktuellen Sonnenstand angepasst. Fassadenbereiche ohne direkte Einstrahlung können geöffnet bleiben, während besonnte Flächen gezielt verschattet werden.
Der Sonnenschutz arbeitet damit nicht als einheitlich geschlossene Hülle. Jede Fassadenseite reagiert entsprechend ihrer Ausrichtung und den aktuellen Außenbedingungen. Durch die Positionierung vor der thermischen Fassade wird die Sonnenstrahlung bereits vor der eigentlichen Gebäudehülle beeinflusst.
Case History
Projekt: Firmengebäude Nycomed Deutschland GmbH
Ort: Konstanz, Baden-Württemberg, Deutschland
Gebäudetyp: Büro-, Forschungs- und Verwaltungsgebäude
Anforderungsprofil: Außenliegender Sonnenschutz, Lichtlenkung, Beschattung, Blendschutz, Fassadengestaltung sowie Reduzierung von Energiebedarf und CO₂-Emissionen
Lösung: Umlaufende, bewegliche Glaslamellenfassade mit automatischer Sonnen- und Wettersteuerung
Produkt: Shadoglass

680 rahmenlose Glaslamellen bilden die zweite Gebäudehülle
Die geschosshohen Glaslamellen sind jeweils 3,20 Meter hoch und 1,35 Meter breit. Sie wurden rahmenlos ausgeführt, sodass die senkrechten Glaskanten frei bleiben. Dadurch entsteht trotz der großen Elementabmessungen eine transparente und vergleichsweise leichte Fassadenwirkung.
Oben und unten sind die Glasscheiben in U-förmige Edelstahlprofile eingeklebt und zusätzlich mechanisch gesichert. Achszapfen ermöglichen die vertikale Drehbewegung. Die Lagerung befindet sich in horizontalen Hohlkastenprofilen mit einer mehrteiligen Verkleidung aus Aluminium-Strangpressprofilen.
Die Drehachsen liegen etwa 70 Zentimeter vor der thermischen Fassade. Bei vollständig geschlossenen Lamellen verbleibt zwischen den Glaselementen eine Fuge von ungefähr drei Zentimetern. Lagerstellen und Getriebekomponenten wurden nach den Projektangaben auf Lebensdauer geschmiert.
Das eingesetzte Verbundglas besteht aus zwei jeweils zehn Millimeter starken Scheiben aus Einscheibensicherheitsglas und einer 1,52 Millimeter starken Zwischenfolie. Rund 60 Prozent der Glasfläche sind bedruckt. Die Bedruckung reduziert den direkten Lichteinfall, ohne die Durchsicht vollständig aufzuheben.
Jeweils sechs Lamellen werden gemeinsam durch einen Getriebemotor der Schutzart IP44 bewegt. Die maximale Bewegungsgeschwindigkeit an der äußeren Lamellenkante beträgt laut Projektbeschreibung zehn Millimeter pro Sekunde.
Sonnenstandsabhängige Regelung
Lamellen folgen Azimut und Sonnenhöhe
Ein zentraler Helligkeitssensor erfasst die Außenhelligkeit über 360 Grad. Wird der definierte Grenzwert überschritten, aktiviert die Steuerung die Sonnenautomatik.
Die Lamellen werden entsprechend dem aktuellen Azimut und der Sonnenhöhe ausgerichtet. Eine fest hinterlegte Datentabelle ist nach den Projektangaben nicht erforderlich. Fassaden ohne direkte Sonneneinstrahlung bleiben geöffnet.
Die Nachlaufsteuerung hält die Elemente so weit offen, wie es der Blendschutz zulässt. Sinkt die Helligkeit unter den festgelegten Wert, fahren die Lamellen nach einer Zeitverzögerung wieder in die vorgesehene Ausgangsposition.

Wetterautomatik schützt Fassade und Gebäudebetrieb
Die Steuerung verarbeitet neben Helligkeit und Sonnenstand auch Temperatur, Wind, Niederschlag und Frost. Ein zentraler Außentemperatursensor übermittelt seine Messwerte an das System. Bei niedrigen Temperaturen kann die Beschattung geöffnet werden, damit Sonnenenergie zur Erwärmung des Gebäudes beiträgt. Bei höheren Temperaturen greift erneut die Sonnenautomatik.
Ein zusätzliches Hitzeprogramm vergleicht Innen- und Außentemperatur. Dafür unterscheidet die Steuerung verschiedene Zustände, beispielsweise warme Außenluft bei bereits erwärmtem Innenraum oder niedrige Außentemperaturen bei warmem Gebäude. Die Lamellenstellung wird entsprechend der hinterlegten Betriebslogik angepasst.
Bei hohen Windgeschwindigkeiten, Niederschlag oder Vereisungsgefahr fahren die Anlagen in eine definierte Sicherheitsposition. Andere Automatikfunktionen und manuelle Eingriffe werden in diesem Zustand gesperrt. Erst wenn sich die Wetterbedingungen normalisiert haben, gibt die Steuerung die reguläre Bedienung wieder frei.
Der Regenalarm arbeitet mit einer Verzögerung, damit die gesamte Fassade nicht bei jedem kurzen Niederschlagsereignis bewegt wird. Eine integrierte Heizung unterstützt nach einem Regenguss das Abtrocknen der Glasflächen.
Zusätzlich können einzelne Antriebe oder Gruppen über konventionelle Taster manuell positioniert werden. Eine Kopplung mit der Brandmeldeanlage ermöglicht es, alle Lamellen im Brandfall automatisch zu öffnen und gegen andere Steuerungsbefehle zu sperren.
Bedruckte Sonderverglasung
Glas verbindet Blendschutz und Durchsicht
Die Glaslamellen sind zu rund 60 Prozent bedruckt. In geschlossener Stellung reduziert diese Bedruckung den direkten Lichteinfall und unterstützt den Blendschutz in den dahinterliegenden Bürobereichen.
Die nicht bedruckten Flächen erhalten zugleich den Sichtbezug nach außen. Dadurch entsteht keine vollständig blickdichte zweite Gebäudehülle.
Je nach Lamellenwinkel verändern sich Verschattung, Tageslichteintrag und Durchsicht. Die Glasflächen übernehmen damit sowohl die Funktion eines beweglichen Sonnenschutzes als auch die architektonische Gestaltung der umlaufenden Fassade.

Fassaden für Hotelbauten
Bewegliche Glaslamellen mit Colt planen
Colt entwickelt Glaslamellenfassaden für Büro-, Forschungs- und Verwaltungsgebäude. Glasaufbau, Bedruckung, Antrieb und Steuerung werden auf Fassadenausrichtung, Sonnenstand, Blendschutz, Wetterbedingungen und architektonische Anforderungen abgestimmt.
FAQ
Wie funktioniert die Glaslamellenfassade bei Nycomed?
Mehr als 680 vertikale Glaslamellen bilden eine bewegliche zweite Gebäudehülle um alle vier Fassadenseiten. Ein zentraler Sensor erfasst die Außenhelligkeit. Bei direkter Sonneneinstrahlung richtet die Steuerung die Lamellen nach Azimut und Sonnenhöhe aus. Fassadenbereiche ohne Sonne bleiben geöffnet. So werden nur die tatsächlich betroffenen Flächen verschattet, während möglichst viel Tageslicht in die übrigen Gebäudebereiche gelangt.
Welche Abmessungen besitzen die Glaslamellen?
Die einzelnen Elemente sind 3,20 Meter hoch und 1,35 Meter breit. Sie bestehen aus einem Verbundaufbau mit zwei jeweils zehn Millimeter starken Scheiben aus Einscheibensicherheitsglas und einer 1,52 Millimeter starken Zwischenfolie. Die senkrechten Glaskanten sind rahmenlos ausgeführt. Oben und unten werden die Elemente in Edelstahlprofilen gehalten und über Achszapfen vertikal gedreht.
Wie reagiert die Fassade auf Wind und Regen?
Erreichen Windgeschwindigkeit, Niederschlag oder Vereisungsgefahr die festgelegten Grenzwerte, fahren die Lamellen in eine definierte Sicherheitsstellung. Andere automatische und manuelle Befehle werden vorübergehend gesperrt. Der Regenalarm ist zeitlich verzögert, damit kurze Niederschlagsereignisse nicht unnötig die gesamte Fassade bewegen. Eine integrierte Heizung unterstützt anschließend das Abtrocknen der Glasflächen.
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